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ID37 :: Lebensmotive in der Teamentwicklung

Wenn Klarheit über sich selbst zur Basis guter Zusammenarbeit wird

Ein Praxisbericht aus einem Change-Prozess eines IT-Diensleisters – und warum das ID37-Profil kein Test ist, den man einmal macht und dann wegpackt.

Worum es hier wirklich geht

Teamarbeit funktioniert selten an fehlendem Willen. Sie funktioniert an fehlendem Verständnis – dafür, was die Person gegenüber eigentlich antreibt. Warum jemand in Meetings schweigt, obwohl sie etwas zu sagen hätte. Warum ein Kollege Entscheidungen wieder und wieder hinterfragt. Warum eine andere Kollegin unruhig wird, wenn Prozesse unklar sind.

Das sind keine Charakterfehler. Das sind Motive. Und genau da setzt die ID37-Analyse an.

In diesem Beitrag erkläre ich, wofür ID37 steht, wie das Tool sich vom klassischen Reiss Profile unterscheidet – und wie ich es in einem Change-Prozess beim HR-Team der RKU IT eingesetzt habe. Als Dreischritt:


ICH verstehe. WIR verstehen. Zusammenarbeit neu ausrichten.


Was ID37 ist – und was es eben nicht ist

ID37 ist die wissenschaftliche Weiterentwicklung des klassischen Reiss Motivation Profile. Entwickelt wurde es in zweijähriger Forschungsarbeit gemeinsam mit der Universität Luxemburg. Grundlage sind die 16 Lebensmotivenach Steven Reiss – also die inneren Antreiber, die unser Verhalten prägen, meist unbewusst und über ein ganzes Leben hinweg.

Die 16 Lebensmotive im ID37:

Neugier, Soziale Anerkennung, Einfluss, Status, Besitzen, Autonomie, Sozialkontakte, Prinzipien, Soziales Engagement, Struktur, Sicherheit, Revanche, Bewegung, Essensgenuss, Familie und Sinnlichkeit.

Der entscheidende methodische Unterschied zum ursprünglichen Reiss-Test: ID37 arbeitet nicht mehr bipolar. Im klassischen Modell war das Motiv „Macht" zum Beispiel ein Kontinuum zwischen Dienstleistungsorientierung und Machtorientierung – zwei Pole derselben Achse. ID37 hat das aufgelöst. Heute spricht man nur noch vom Motiv Einfluss, in niedriger oder hoher Ausprägung. Das klingt technisch, ist aber in der Praxis ein echter Gewinn: Menschen fühlen sich nicht mehr zwischen zwei Polen eingeklemmt, sondern erkennen ihre individuelle Intensität eines Motivs.

Kurz gesagt: ID37 ist kein Typentest. Es steckt niemanden in eine Schublade. Es zeigt, in welcher Ausprägung jedes der 16 Motive in einem Menschen wirkt – und macht so eine Art persönlichen Fingerabdruck sichtbar.

Ich bin für alle am deutschen Markt erhältlichen Lebensmotiv-Tests zertifiziert. Entschieden habe ich mich bewusst für ID37 – wegen des niedrigschwelligen Zugangs und wegen Jay, der KI-gestützten Coaching-Begleitung, mit der Klient:innen auch zwischen unseren Sitzungen eigenständig reflektieren und weiterarbeiten können. Dazu gleich mehr.


Der Dreischritt: Ich – Wir – Zusammenarbeit

Ein ID37-Profil entfaltet seine Wirkung nicht im PDF auf dem Schreibtisch. Sondern im Dialog. Ich arbeite mit Teams deshalb in drei aufeinander aufbauenden Schritten:


1. Klarheit über mich selbst.

Jede Person bekommt ihr individuelles ID37-Profil. Im Einzelcoaching reflektieren wir, was die Ausprägungen für den Alltag bedeuten: Was gibt mir Energie? Was stresst mich? Wann bin ich in meinem Element – und wann laufe ich gegen die eigene Natur?


2. Klarheit im Team.

Erst wenn jede:r ein stabiles Selbstbild hat, macht der gemeinsame Blick Sinn. Jetzt sehen wir die Profile nebeneinander: Wo liegen Gemeinsamkeiten, die verbinden? Wo liegen echte Unterschiede, die bislang für Reibung gesorgt haben – und die sich plötzlich erklären lassen?


3. Zusammenarbeit neu ausrichten.

Aus diesen Erkenntnissen werden konkrete Vereinbarungen: Wie reden wir miteinander? Wer braucht was, um gut arbeiten zu können? Welche Rituale, welche Regeln, welche Rollenverteilung passen zu diesem Team – nicht zu einem Lehrbuch-Team?

Dieser Dreischritt ist das, was aus einer Diagnostik eine Entwicklungsmaßnahme macht.



Praxisfall: HR-Team eines IT-Dienstleisters im Change

Die Firma arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich mit den Lebensmotiven – für sie ist das keine Einmal-Veranstaltung, sondern Basis der Mitarbeiterentwicklung. Als das HR-Team in eine Umstrukturierung geriet, war das der Anlass für den Workshop, den ich beschreibe.

Die Ausgangslage:

Mitarbeiter:innen waren gegangen, neue waren gekommen. Vom Managementboard über die Leitung HR und die Leitung Personalentwicklung bis hin zu Kolleg:innen aus dem Recruiting – eine bunt gemischte Gruppe, unterschiedlich in Alter, Rolle und Tempo. Die Aufgabe: sich als Team neu finden und gemeinsam eine Richtung für die Zusammenarbeit entwickeln.

Wie wir vorgegangen sind:

Im Vorfeld erhielt jede Person ihr REISS-Profil und ein 90-minütiges Einzelcoaching mit mir.

Das war der erste Schritt – Klarheit über sich selbst, bevor das Team zusammenkam.

Schon diese Sitzungen brachten viele spürbare Aha-Momente.

Im Workshop selbst haben wir es dann spielerisch aufgezogen, nicht diagnostisch.

Reihum stand ein Teammitglied im Mittelpunkt. Die Gruppe riet, wie die Ausprägungen seiner Lebensmotive wohl aussehen. So entstand zunächst das Fremdbild – lebendig, manchmal überraschend, manchmal treffend. Erst danach haben wir das Selbstbild aus dem Test dagegengelegt. Genau in dieser Differenz zwischen Fremd- und Selbstbild liegt die eigentliche Lernerfahrung: „Ach, so nehmt ihr mich wahr – und so ticke ich wirklich."

Im Anschluss hatte jede Person die Aufgabe, ihre persönliche „Gebrauchsanweisung" zu formulieren – basierend auf den eigenen Motiven.

Wie arbeite ich am besten? Was brauche ich von euch? Was solltet ihr bei mir nicht erwarten? Diese Beiträge haben wir per KI mitgeschnitten und daraus im zweiten Schritt eine gemeinsame Leitlinie für die Zusammenarbeit destilliert – nicht als erfundenes Ideal, sondern als Summe dessen, was in der Runde tatsächlich auf dem Tisch lag.

Was das Team mitgenommen hat:

Zum einen unerwartete Gemeinsamkeiten, die Vertrauen gestiftet haben. Zum anderen Unterschiede, die vorher als Reibung empfunden wurden – und jetzt erklärbar und nutzbar wurden.


Zitate:

„Ah, jetzt wird mir einiges klar." Und: „Wie schön, dass es dich gibt."


Wo KI hilft – und wo sie Coaching nicht ersetzt

ID37 kommt mit Jay, einem KI-Coach, der auf die empirische Wissenschaft des Modells trainiert ist und das eigene Profil kennt. Jay liefert keine generischen Ratschläge, sondern arbeitet mit den 16 Motiven der konkreten Person – und bei Teamfragen auch mit den Profilen der Beteiligten. Klient:innen können Jay zwischen unseren Sitzungen nutzen, um Situationen vor- oder nachzubereiten. Das senkt die Schwelle, mit dem eigenen Profil tatsächlich zu arbeiten, statt es abzuheften.

Was Jay gut kann: rund um die Uhr verfügbar sein, ein Sparringspartner im Kleinen sein, Reflexion anstoßen.

Was Jay nicht leistet: die Begleitung im Raum, wenn zehn Menschen mit unterschiedlichen Motiven um eine neue Zusammenarbeit ringen. Die Moderation, die Fremd- und Selbstbild zusammenführt. Die Erfahrung, zu spüren, wann Humor hilft und wann Stille wichtiger ist.

Deshalb verstehe ich Jay als sinnvolle Ergänzung – nicht als Ersatz.



Meine Rolle als zertifizierter Reiss-Profiler

Im RKU-IT-Projekt war ich beides: Coach in den Einzelsettings und Moderator im Workshop. Beides gehört für mich zusammen, weil die Qualität des Workshops davon lebt, dass ich die Menschen schon kenne, bevor sie sich als Gruppe zeigen.


Typischerweise begleite ich Organisationen in dieser Form:

  • Individuelle ID37-Profilerstellung und -auswertung

  • Einzelcoachings zur Vertiefung

  • Moderation von Team-Workshops (Fremdbild/Selbstbild, Gebrauchsanweisungen, Leitlinien)

  • Follow-up-Begleitung, wenn aus Erkenntnissen Alltag werden soll


Lebensmotive sind kein Event. Sie sind eine Sprache, die ein Team auf Dauer teilt – und die Führung, Entwicklungsgespräche, Konfliktklärung und Rollenverteilung leichter macht.


Wenn Sie überlegen, ob das für Ihr Team passt

Ein paar gute Anlässe, die ID37-Arbeit zu starten:

  • Ein Team formiert sich neu, nach Umstrukturierung oder Zuwachs

  • Reibung im Team, die sich an Personen festmacht, aber eigentlich aus Motiven kommt

  • Führungswechsel, der Orientierung braucht

  • Strategische Neuausrichtung, bei der die Zusammenarbeit mitwachsen muss

  • Entwicklungsprogramme für Führungskräfte


Wenn Sie dem Thema näherkommen möchten: Ich stelle Ihnen gern in einem kurzen Gespräch vor, wie ein Dreischritt wie bei der RKU IT in Ihrer Situation aussehen könnte.


Als zertifizierter ID37-Master begleite ich Sie und Ihr Team – von der ersten Profilerstellung bis zur gelebten Zusammenarbeit.

Quellen

 
 
 

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