Mitarbeitergespräche: Warum sich viele Führungskräfte so wenig Mühe geben
- saschabrink

- vor 3 Tagen
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Wir wissen alle, wie wichtig Mitarbeitergespräche sind.
Motivation fördern. Potenziale entdecken. Zusammenarbeit stärken.
Das Mantra der modernen Personalführung.
Und doch klafft zwischen dem, was viele über diese Gespräche wissen, und dem, wie sie geführt werden, oft eine erstaunlich große Lücke.
Ernüchternde Realität
Eine aktuelle Studie der Königsteiner Gruppe bringt es nüchtern auf den Punkt:
Fast ein Viertel der befragten Mitarbeitenden sagt, dass sich ihre Führungskraft im letzten Gespräch zu wenig Zeit genommen hat.
Jeder Fünfte kritisiert eine mangelhafte Vorbereitung.
Mehr als die Hälfte vermisst ein simples Gesprächsprotokoll.
Nur rund 30 Prozent erhalten überhaupt einen konkreten Entwicklungsplan.
Das sind keine Details.
Das sind Grundanforderungen an professionelle Gesprächsführung.
Und trotzdem scheitern viele Führungskräfte daran. Nicht einmal. Sondern systematisch. Jahr für Jahr.
Die Frage hinter der Frage
Die spannende Frage ist nicht, dass sich viele zu wenig Mühe geben.
Die eigentliche Frage lautet: Warum?
Zeitmangel ist die naheliegende Antwort. Die Kalender sind voll, der Druck ist hoch.
Und trotzdem gilt: Wenn ein wichtiger Kunde anruft, wird Zeit gefunden.
Wenn der Vorstand eine Präsentation erwartet, wird vorbereitet.
Wenn etwas wirklich wichtig ist, schaffen wir uns Zeit.
Das Problem ist selten die Zeit.
Das Problem ist die Priorität.
Und Priorität ist immer ein Ausdruck von Haltung.
Was Mitarbeitende wirklich hören
Wenn eine Führungskraft unvorbereitet ins Gespräch geht, keine Zeit mitbringt, nichts dokumentiert und keinen Entwicklungsplan anbietet, sendet sie eine klare Botschaft:
Du bist mir nicht so wichtig.
Nicht verbal. Sondern durch Verhalten.
Mitarbeitende spüren das. Und sie reagieren.
Laut Studie suchen 13 Prozent aufgrund schlechter Mitarbeitergespräche aktiv nach einem neuen Arbeitgeber.
Nicht wegen des Gehalts. Nicht wegen der Aufgaben.
Sondern wegen fehlender Wertschätzung.
Das ist der Preis dieser Nachlässigkeit.
Was jetzt wirklich hilft
Es braucht keine neuen Leitfäden. Keine weiteren Tools. Keine komplizierten Prozesse.
Was es braucht, ist Ehrlichkeit.
Ehrlichkeit darüber, wie wichtig Mitarbeitergespräche tatsächlich genommen werden und was man bereit ist, dafür zu investieren.
Wenn diese Haltung klar ist, können technische Mittel heute sinnvoll unterstützen:
Sprachaufzeichnung und KI-gestützte Gesprächsanalyse ermöglichen eine Tiefe und Nachvollziehbarkeit, die früher kaum möglich war.
Nicht als Ersatz für echtes Interesse.
Sondern als Werkzeug zur Nachbereitung, zur Entwicklungsdokumentation und zur Reflexion der eigenen Gesprächsführung.
Die Priorität bleibt der Engpass.
Die Umsetzung darf leichter werden.
Ein Beziehungsangebot – keine Pflichtübung
Ein Mitarbeitergespräch ist kein formaler Termin im Kalender.
Es ist ein Beziehungsangebot.
Und wie bei jedem Beziehungsangebot gilt:
Wer sich nicht wirklich einlässt, wer nur halb dabei ist, wird durchschaut.
Dann kann man es auch gleich lassen.
Also entweder:
Mitarbeitergespräche ernst nehmen. Mit Vorbereitung, Zeit, Nachbereitung und echtem Interesse.
Oder aufhören, so zu tun, als wären sie wichtig.
Alles andere ist Selbstbetrug.
Und den können sich weder Führungskräfte noch ihre Teams leisten.
Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte – sei es zu Haltung, Methodik oder technischer Unterstützung, darf mich gerne kontaktieren.





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