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Das Riemann-Thomann-Modell in der Führung: Warum wir unterschiedlich ticken und wie es das Teams stärken kann

Aktualisiert: 28. März

Manche Menschen brauchen Struktur. Andere brauchen Freiraum. Die einen suchen Nähe, die anderen halten lieber Distanz. Im Alltag spüren wir das ständig und als Führungskraft ganz besonders. Denn wer ein Team führt, begegnet nicht nur unterschiedlichen Kompetenzen, sondern unterschiedlichen Persönlichkeiten. Und genau hier wird es spannend.

Ein Modell, das Unterschiede sichtbar macht

Das Riemann-Thomann-Modell ist kein psychologischer Schnelltest und kein Schubladendenken. Es ist ein Kompass. Entwickelt aus den Arbeiten des Psychoanalytikers Fritz Riemann und weiterentwickelt vom Kommunikationspsychologen Christoph Thomann, beschreibt es vier Grundstrebungen, die unser Verhalten, unsere Kommunikation und unsere Beziehungen prägen:

  • Nähe – das Bedürfnis nach Verbundenheit, Harmonie und zwischenmenschlicher Wärme

  • Distanz – das Bedürfnis nach Unabhängigkeit, Sachlichkeit und Eigenständigkeit

  • Dauer – das Bedürfnis nach Stabilität, Verlässlichkeit und klaren Strukturen

  • Wechsel – das Bedürfnis nach Abwechslung, Spontaneität und neuen Impulsen

Diese vier Pole bilden ein Koordinatenkreuz. Jeder Mensch trägt alle vier Strebungen in sich, aber in unterschiedlicher Ausprägung. Und genau das macht uns so lebendig. Und manchmal so anstrengend.

Was das für Führung bedeutet

Stellen Sie sich vor, Sie planen ein Team-Meeting. Die Dauer-Strebung möchten eine klare Agenda, pünktlichen Beginn und verbindliche Ergebnisse. Die Wechsel-Strebung hofft auf offenen Austausch, spontane Ideen und bitte nicht schon wieder dieselbe Tagesordnung. Die Nähe-Strebung freuen sich auf den persönlichen Kontakt und fragen sich, wie es den Kollegen eigentlich geht. Und die Distanz-Strebung? Die würde am liebsten vorher wissen, ob das Meeting wirklich nötig ist, oder ob eine E-Mail nicht gereicht hätte.

Keiner hat Unrecht. Alle haben ein berechtigtes Bedürfnis. Aber wenn Sie als Führungskraft nur aus Ihrer eigenen Perspektive heraus agieren, erreichen Sie immer nur einen Teil Ihres Teams.

Vom Verstehen zum Führen

Das Riemann-Thomann-Modell hilft Ihnen, Unterschiede nicht als Störung, sondern als Ressource zu sehen. Es erklärt, warum manche Mitarbeitenden bei Veränderungen sofort mitziehen und andere erst mal abblocken. Warum manche nach dem Meeting noch einen Kaffee trinken wollen und andere schnell zurück an den Schreibtisch möchten.

Und es hilft Ihnen, Ihre eigene Prägung zu erkennen. Denn auch Sie führen aus einer bestimmten Grundhaltung heraus. Vielleicht sind Sie selbst mit einer starken Dauer-Strebung versehen und wundern sich, warum Ihr Team Ihre strukturierten Prozesse nicht so liebt wie Sie. Oder Sie haben eine starke Wechsel-Strebung und merken, dass Ihr ständiger Ideenfluss manche überfordert.

Gute Führung beginnt mit Selbstkenntnis. Und sie wächst durch Menschenkenntnis.

Praxis: Wie Sie das Modell nutzen können

Im Coaching und in Teamseminaren nutze ich das Riemann-Thomann-Modell regelmäßig, nicht als Diagnose-Instrument, sondern als Gesprächsanlass. Es schafft eine gemeinsame Sprache für etwas, das sonst oft diffus bleibt: Was brauche ich, um gut arbeiten zu können? Und was brauchen Sie?

Ein paar Impulse:

  • Nutzen Sie das Modell im Teamworkshop, um über unterschiedliche Arbeitsweisen zu sprechen – ohne Schuldzuweisungen.

  • Reflektiere vor schwierigen Gesprächen: Welche Grundstrebung hat mein Gegenüber? Was könnte ihm oder ihr wichtig sein?

  • Achte bei Konflikten darauf, ob unterschiedliche Bedürfnisse aufeinanderprallen, oft steckt dahinter kein böser Wille, sondern ein anderes Bedürfnis.

  • Fragen Sie sich selbst: Wo sind meine blinden Flecken? Welche Bedürfnisse anderer übersehe ich leicht?

Ihr nächster Schritt

Wenn Sie neugierig geworden sind, wo Sie selbst im Koordinatenkreuz stehen: Auf meiner Website finden Sie einen Riemann-Thomann-Test, mit dem Sie Ihre eigene Grundstrebung erkunden können. Er ersetzt kein Coaching, aber er kann ein guter Einstieg sein, um sich selbst und Ihr Team besser zu verstehen.

→ Zum Test: Schauen Sie auf der Startseite vorbei, dort finden Sie unter Kontakt den Link zum Riemann-Thomann-Fragebogen.

Denn Führung, die Menschen erreicht, beginnt damit, Menschen zu verstehen.

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