Das Riemann-Thomann-Modell in der Führung: Warum wir unterschiedlich ticken und wie es das Teams stärken kann
- saschabrink

- vor 4 Tagen
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Manche Menschen brauchen Struktur. Andere brauchen Freiraum. Die einen suchen Nähe, die anderen halten lieber Distanz. Im Alltag spüren wir das ständig und als Führungskraft ganz besonders. Denn wer ein Team führt, begegnet nicht nur unterschiedlichen Kompetenzen, sondern unterschiedlichen Persönlichkeiten. Und genau hier wird es spannend.
Ein Modell, das Unterschiede sichtbar macht
Das Riemann-Thomann-Modell ist kein psychologischer Schnelltest und kein Schubladendenken. Es ist ein Kompass. Entwickelt aus den Arbeiten des Psychoanalytikers Fritz Riemann und weiterentwickelt vom Kommunikationspsychologen Christoph Thomann, beschreibt es vier Grundstrebungen, die unser Verhalten, unsere Kommunikation und unsere Beziehungen prägen:
Nähe – das Bedürfnis nach Verbundenheit, Harmonie und zwischenmenschlicher Wärme
Distanz – das Bedürfnis nach Unabhängigkeit, Sachlichkeit und Eigenständigkeit
Dauer – das Bedürfnis nach Stabilität, Verlässlichkeit und klaren Strukturen
Wechsel – das Bedürfnis nach Abwechslung, Spontaneität und neuen Impulsen
Diese vier Pole bilden ein Koordinatenkreuz. Jeder Mensch trägt alle vier Strebungen in sich, aber in unterschiedlicher Ausprägung. Und genau das macht uns so lebendig. Und manchmal so anstrengend.
Was das für Führung bedeutet
Stell dir vor, du planst ein Team-Meeting. Die Dauer-Strebung möchten eine klare Agenda, pünktlichen Beginn und verbindliche Ergebnisse. Die Wechsel-Strebung hofft auf offenen Austausch, spontane Ideen und bitte nicht schon wieder dieselbe Tagesordnung. Die Nähe-Strebung freuen sich auf den persönlichen Kontakt und fragen sich, wie es den Kollegen eigentlich geht. Und die Distanz-Strebung? Die würde am liebsten vorher wissen, ob das Meeting wirklich nötig ist, oder ob eine E-Mail nicht gereicht hätte.
Keiner hat Unrecht. Alle haben ein berechtigtes Bedürfnis. Aber wenn du als Führungskraft nur aus deiner eigenen Perspektive heraus agierst, erreichst du immer nur einen Teil deines Teams.
Vom Verstehen zum Führen
Das Riemann-Thomann-Modell hilft dir, Unterschiede nicht als Störung, sondern als Ressource zu sehen. Es erklärt, warum manche Mitarbeitenden bei Veränderungen sofort mitziehen und andere erst mal abblocken. Warum manche nach dem Meeting noch einen Kaffee trinken wollen und andere schnell zurück an den Schreibtisch möchten.
Und es hilft dir, deine eigene Prägung zu erkennen. Denn auch du führst aus einer bestimmten Grundhaltung heraus. Vielleicht bist du selbst mit einer starken Dauer-Strebung versehen und wunderst dich, warum dein Team deine strukturierten Prozesse nicht so liebt wie du. Oder du bist hast eine starke Wechsel-Strebung und merkst, dass dein ständiger Ideenfluss manche überfordert.
Gute Führung beginnt mit Selbstkenntnis. Und sie wächst durch Menschenkenntnis.
Praxis: Wie du das Modell nutzen kannst
Im Coaching und in Teamseminaren nutze ich das Riemann-Thomann-Modell regelmäßig, nicht als Diagnose-Instrument, sondern als Gesprächsanlass. Es schafft eine gemeinsame Sprache für etwas, das sonst oft diffus bleibt:
Was brauche ich, um gut arbeiten zu können? Und was brauchst du?
Ein paar Impulse:
Nutze das Modell im Teamworkshop, um über unterschiedliche Arbeitsweisen zu sprechen – ohne Schuldzuweisungen.
Reflektiere vor schwierigen Gesprächen: Welche Grundstrebung hat mein Gegenüber? Was könnte ihm oder ihr wichtig sein?
Achte bei Konflikten darauf, ob unterschiedliche Bedürfnisse aufeinanderprallen, oft steckt dahinter kein böser Wille, sondern ein anderes Bedürfnis.
Frag dich selbst: Wo sind meine blinden Flecken? Welche Bedürfnisse anderer übersehe ich leicht?
Dein nächster Schritt
Wenn du neugierig geworden bist, wo du selbst im Koordinatenkreuz stehst: Auf meiner Website findest du einen Riemann-Thomann-Test, mit dem du deine eigene Grundstrebung erkunden kannst. Er ersetzt kein Coaching, aber er kann ein guter Einstieg sein, um dich selbst und dein Team besser zu verstehen.
→ Zum Test:
Schau auf der Startseite vorbei, dort findest du unter Kontakt den
Link zum Riemann-Thomann-Fragebogen.
Denn Führung, die Menschen erreicht, beginnt damit, Menschen zu verstehen.






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