Wer nicht klärt, wer entscheidet, vergiftet sein Team
- saschabrink

- 27. März
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 29. März
„Wer nicht klärt, wer was entscheiden darf, erzeugt entweder Mikromanagement oder Orientierungslosigkeit. Beides Gift für Teams.“ – Dirk Bathen
Dieses Zitat aus dem brand eins LEADERSHIFT-Magazin trifft einen Nerv. Und zwar einen, den ich in meiner Arbeit als Business Coach fast täglich spüre.

Das Dilemma zwischen Kontrolle und Chaos
Führungskräfte bewegen sich ständig auf einem schmalen Grat. Auf der einen Seite die Versuchung, alles selbst zu kontrollieren – jede E-Mail gegenlesen, jede Entscheidung absegnen, bei jedem Meeting dabei sein. Das Ergebnis: Mikromanagement. Das Team wird unselbstständig, die Motivation sinkt, und die Führungskraft selbst brennt aus.
Auf der anderen Seite steht das Gegenteil: Führungskräfte, die sich komplett zurückziehen.
„Ihr macht das schon“ klingt nach Vertrauen, kann aber auch Überforderung bedeuten.
Wenn niemand weiß, wer am Ende die Entscheidung trifft, entsteht Orientierungslosigkeit. Projekte drehen sich im Kreis, Diskussionen werden endlos wiederholt, und niemand traut sich, den entscheidenden Schritt zu machen.
Beides ist Gift für Teams. Dirk Bathen bringt das auf den Punkt.
Der eigentliche Fehler passiert vorher
Das Problem liegt selten bei den einzelnen Entscheidungen selbst. Es liegt daran, dass vorher nicht geklärt wurde, wer welche Entscheidung treffen darf – und in welchem Rahmen.
In meinen Workshops und Coachings erlebe ich immer wieder dasselbe Muster: Führungskräfte sind frustriert, weil ihr Team nicht eigenständig handelt. Gleichzeitig ist das Team frustriert, weil es nicht weiß, was es eigenständig entscheiden darf. Ein klassisches Missverständnis, das sich leicht vermeiden ließe – wenn man darüber spricht.
Was Entscheidungsklarheit konkret bedeutet
Entscheidungsklarheit heißt nicht, ein starres Regelwerk aufzustellen. Es bedeutet:
Transparenz schaffen: Wer entscheidet über was? Und in welchem Rahmen?
Abstufungen zulassen: Nicht jede Entscheidung braucht denselben Prozess. Manchmal reicht es, das Team zu informieren. Manchmal braucht es eine gemeinsame Diskussion.
Regelmäßig nachjustieren: Teams entwickeln sich. Was vor sechs Monaten richtig war, kann heute überholt sein.
Ein praktisches Werkzeug: Delegation Poker
Ein Ansatz, den ich in diesem Zusammenhang spannend finde, ist das sogenannte „Delegation Poker“ – ursprünglich von Jurgen Appelo im Rahmen von Management 3.0 entwickelt.
Dirk Bathen selbst nutzte diese Methode in seinen Workshops auf der brand eins Leadershift-Konferenz.
Die Idee dahinter: Delegation ist kein Entweder-oder.
Zwischen „Ich entscheide alles allein“ und „Das Team entscheidet komplett autonom“ gibt es sieben Abstufungen:
Verkünden – Die Führungskraft entscheidet und informiert.
Verkaufen – Die Führungskraft entscheidet und überzeugt.
Befragen – Die Führungskraft holt Input ein und entscheidet dann.
Einigen – Führungskraft und Team entscheiden gemeinsam.
Beraten – Das Team entscheidet, die Führungskraft berät.
Erkundigen – Das Team entscheidet und informiert die Führungskraft.
Delegieren – Das Team entscheidet vollständig eigenständig.
Das Schöne an diesem Modell: Es macht Entscheidungsprozesse besprechbar.
Statt abstrakt über „mehr Eigenverantwortung“ zu reden, wird konkret:
Wer entscheidet über die Urlaubsplanung? Wer über Budgetfreigaben? Wer über die Wahl neuer Teammitglieder?
Drei Fragen für Ihre nächste Teamrunde
Wenn Sie dieses Thema in Ihr Team tragen möchten, starten Sie mit diesen drei Fragen:
1. Wo treffe ich Entscheidungen, die eigentlich mein Team treffen könnte?
Hier lauert Mikromanagement. Nicht aus bösem Willen, sondern oft aus Gewohnheit.
2. Wo fehlt meinem Team Klarheit darüber, was es eigenständig entscheiden darf?
Hier entsteht Orientierungslosigkeit. Oft reicht ein offenes Gespräch, um das aufzulösen.
3. Welche Entscheidungsbereiche haben wir noch nie bewusst besprochen?
Das sind die blinden Flecken. Genau dort entstehen die meisten Reibungsverluste.
Mein Fazit
Entscheidungsklarheit ist keine einmalige Sache. Sie ist ein fortlaufender Prozess, der Aufmerksamkeit und ehrliche Gespräche braucht. Als Führungskraft sind Sie dafür verantwortlich, diesen Rahmen zu schaffen. Nicht, weil Sie alles besser wissen. Sondern weil Ihr Team darauf angewiesen ist zu wissen, wo es steht und was es gestalten darf.
Oder, um es mit Dirk Bathen zu sagen: Klären Sie, wer was entscheiden darf. Ihr Team wird es Ihnen danken.
Sie möchten Entscheidungsprozesse in Ihrem Team klären und Führung wirksamer gestalten? Dann lassen Sie uns sprechen. In meinen Coachings und Workshops arbeiten wir genau an diesen Themen – praxisnah, individuell und auf Augenhöhe.



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