ID37 oder LINC Personality Profiler?
- saschabrink

- 5. Juni
- 7 Min. Lesezeit
Eine ehrliche Entscheidungshilfe aus der Praxis
Ich arbeite seit Jahren mit beiden Verfahren. Mit dem ID37 und mit dem LINC Personality Profiler. Und immer wieder werde ich gefragt: Sascha, welches ist denn nun das bessere? Meine ehrliche Antwort lautet: Das ist die falsche Frage. Die bessere Frage ist, was Sie eigentlich vorhaben.
Wer mich kennt, weiß: Ich bin kein Methodenfanatiker. Ein Instrument ist für mich nie der Star der Show. Es ist Werkzeug, nicht Weltanschauung. Trotzdem lohnt sich der genaue Blick, denn die Wahl des Verfahrens entscheidet darüber, welche Gespräche Sie danach führen und welche Türen aufgehen.
Deshalb erzähle ich Ihnen hier einfach, wie ich arbeite. Wo beide Verfahren ihre Stärken haben, wo sie an Grenzen stoßen und wann ich zu welchem greife.
Aus der Praxis, nicht aus dem Prospekt. Mit zwei echten Beispielen aus meiner Arbeit.
Warum überhaupt ein Persönlichkeitsverfahren?
Stellen Sie sich zwei Mitarbeitende vor, die im selben Meeting sitzen.
Der eine geht raus und denkt: Endlich mal Klartext.
Die andere geht raus und denkt: Musste das so hart sein?
Gleiches Gespräch, völlig unterschiedliche Wirkung. Genau hier setzen Persönlichkeitsverfahren an. Sie machen sichtbar, was sonst im Verborgenen wirkt.
Ich nutze sie nicht, um Menschen in Schubladen zu stecken. Im Gegenteil. Ein gutes Verfahren öffnet Schubladen, statt sie zuzumachen. Es gibt Sprache für Unterschiede, die vorher nur als Reibung spürbar waren. Und Sprache ist der erste Schritt zur Verständigung.
Beide Verfahren, über die ich hier spreche, sind wissenschaftlich fundiert und differenzierend. Das heißt, sie messen Ausprägungen auf Skalen, statt Sie einem von wenigen Typen zuzuordnen. Damit sind sie den klassischen Typentests wie MBTI oder DISG methodisch deutlich überlegen.
Der ID37: Die Frage nach dem Warum

Der ID37 geht den Weg über die Motivation. Er stammt aus der Motivforschung und erfasst sechzehn Lebensmotive. Entwickelt wurde er an der Universität Luxemburg, er erfüllt die psychometrischen Standards und die deutsche Norm für Eignungsdiagnostik. Seine Leitfrage ist einfach
und sie trägt weit: Warum handelt ein Mensch so, wie er handelt?
Motive statt Verhalten
Während andere Verfahren fragen, wie sich jemand verhält und was er kann, fragt der ID37 vor allem, was jemanden im Innersten antreibt. Das ist ein feiner, aber wichtiger Unterschied. Wenn ich verstehe, dass für jemanden das Motiv Anerkennung stark ausgeprägt ist, verstehe ich plötzlich, warum Lob bei diesem Menschen viel bewirkt und warum öffentliche Kritik ihn lähmt. Motive erklären das Verhalten von der Wurzel her.
Mein Praxisbeispiel: Teamentwicklung bei der RKU
Die Lebensmotive nutze ich besonders gern in der Teamentwicklung. So war es auch bei einem Workshop mit dem IT-Dienstleister RKU. Die Teilnehmenden machten vorab ihren Lebensmotivtest, und die Ergebnisse brachten wir dann gemeinsam im Workshop zur Ansprache.
Eine Übung, die dabei besonders gut funktionierte, war das spielerische Persönlichkeitsraten.
Ich zeigte die Motivgrafik einer Person, ohne den Namen zu nennen, und die Gruppe riet, um wen es sich handelte. Das klingt nach Spielerei, war aber methodisch wertvoll.
Denn genau hier entstand der Abgleich von Selbst- und Fremdbild. Man sah auf einen Schlag, wo die eigene Wahrnehmung und die Sicht der anderen auseinanderliefen. Das öffnete Gespräche, die sonst nie geführt worden wären.
In einem zweitägigen Workshop ließ sich damit gut arbeiten. Am Ende stand für jede und jeden eine ganz persönliche Gebrauchsanleitung, die im Team zur Ansprache gebracht werden konnte. Und gemeinsam erstellten wir Regeln der Zusammenarbeit, die nicht im luftleeren Raum schwebten, sondern auf den Lebensmotiven beruhten. Sehr konkret, sehr greifbar, und vor allem ein Ergebnis, das die Gruppe mitnahm und im Alltag weiternutzen konnte.
Stark im autonomen Lernen
Über den Workshop hinaus setzt der ID37 auf eine interaktive Plattform. Anwenderinnen und Anwender navigieren selbst durch ihre Themen, tauschen Profile aus und werden von einem KI-Coach begleitet, der rund um die Uhr verfügbar ist. Das macht das Verfahren besonders anschlussfähig für Menschen, die gern eigenständig in die Tiefe gehen, auch zwischen den Sitzungen. Das ist eine echte Stärke, wenn ich Selbstverantwortung fördern will.
Wo der ID37 an Grenzen stößt
Wer Verhalten und Kompetenzen sehen will, schaut beim ID37 in die falsche Richtung. Das Verfahren ist bewusst auf Motivation fokussiert. Das ist seine Klarheit und zugleich seine Beschränkung. Es sagt Ihnen viel über das Warum, aber weniger über das Wie und das Was.
Für eine umfassende Standortbestimmung von Führungskompetenzen brauche ich andere Brillen, oder eine professionelle Begleitung. ;-)
Der LINC Personality Profiler: Das große Panorama
Der LINC Personality Profiler, kurz LPP, baut auf dem Fünf-Faktoren-Modell auf, den sogenannten Big Five. Das ist das in der Forschung am besten abgesicherte Persönlichkeitsmodell überhaupt. Und der LPP bleibt nicht dabei stehen. Er zeichnet ein dreidimensionales Bild.

Drei Ebenen, die zusammen ein Ganzes ergeben
Der LPP schaut auf den Charakter, also darauf, wie sich jemand typischerweise verhält.
Er schaut auf die Motive, also darauf, was einen Menschen innerlich antreibt. Und er schaut auf die Kompetenzen, also darauf, welche Fähigkeiten jemand mitbringt. Diese Verbindung ist die große Stärke. Sie sehen nicht nur, wie jemand tickt, sondern auch, was er kann und was ihn dahin gebracht hat.
Mein Praxisbeispiel: Führungsbegleitung bei LUNGE Der Laufladen
Den LPP setze ich fast ausschließlich in der längerfristigen Begleitung von Führungskräften ein. Aktuell zum Beispiel bei LUNGE Der Laufladen. Das Profil wird dort nicht einmal angeschaut und dann weggelegt, sondern immer wieder zum Thema gemacht. Es bleibt im Gespräch, es wächst mit.
Und an einer Stelle gehen wir noch einen Schritt weiter. Wir haben die Ergebnisse des LPP in eine personalisierte KI integriert. So berücksichtigen die Tipps, die diese KI gibt, die konkrete Persönlichkeit und das dahinterliegende Persönlichkeitsmodell.
Kein Ratschlag von der Stange, sondern Impulse, die zur jeweiligen Führungskraft passen.
Das bringt im Moment am meisten, finde ich.
Was sich seit dem letzten Blick verändert hat
Lange galt der LPP als das Verfahren für die intensive Eins-zu-eins-Begleitung, stark abhängig vom Coach. Das stimmt so nicht mehr. LINC hat in den letzten Jahren kräftig nachgelegt.
Es gibt heute das LINC Coaching Board, eine vollwertige digitale Coaching-Plattform mit Whiteboard, Videostream, einer Coachee-Verwaltung und über vierhundert Methoden und Vorlagen. Damit lassen sich ganze Coaching-Prozesse strukturieren, durchführen und über die Zeit begleiten, nicht nur einzelne Sitzungen.
Dazu kommt der LINC Companion, ein KI-Begleiter, der sowohl Coaches als auch Anwenderinnen und Anwender beim Verstehen und Interpretieren der Ergebnisse unterstützt. Wissenschaftlich fundiert, datensicher, jederzeit ansprechbar. Wer den LPP also noch als reines Papierprofil im Kopf hat, ist nicht mehr auf dem aktuellen Stand.
Wo der LPP an Grenzen stößt
Die Tiefe hat einen Preis. Der LPP ist reichhaltig, und genau diese Reichhaltigkeit kann überfordern. Wer ein Profil mit vielen Facetten in der Hand hält und allein damit dasteht, verliert schnell den roten Faden.
Mein Eindruck aus der Praxis: Der LPP entfaltet seine volle Kraft in der begleiteten Arbeit.
Als Schnelltest für zwischendurch ist er zu schade und zu komplex.
Beide haben aufgeholt: KI und Plattform sind kein Alleinstellungsmerkmal mehr
Ein Punkt liegt mir besonders am Herzen, weil hier viel Halbwissen kursiert. Es gibt Vergleiche, die den ID37 als das moderne, KI-gestützte Verfahren feiern und den LPP als das analoge Gegenstück darstellen. Das war vielleicht einmal so. Heute stimmt es nicht mehr.
Beide Verfahren haben inzwischen einen KI-Begleiter. Beide bieten eine Plattform, mit der sich Coaching-Prozesse über die Zeit begleiten und dokumentieren lassen. Der Unterschied liegt nicht mehr in der Technologie an sich, sondern in der inhaltlichen Ausrichtung.
Beim ID37 dreht sich alles um Motivation und autonome Auseinandersetzung.
Beim LPP geht es um das breite Panorama aus Charakter, Motiven und Kompetenzen, eingebettet in eine sehr ausgereifte Coaching-Umgebung.
Wer also nach dem moderneren Tool fragt, stellt erneut die falsche Frage. Modern sind beide.
Meine Entscheidungshilfe aus der Praxis
Wann greife ich also zu welchem Verfahren?
Ich mache es an Situationen fest, nicht an Werbeversprechen.
Ich wähle den ID37, wenn …
… die zentrale Frage lautet, warum jemand handelt, wie er handelt. Bei Motivationsthemen, bei Konflikten, die sich an unterschiedlichen Antrieben entzünden, und bei Menschen, die gern eigenständig an sich arbeiten, ist der ID37 mein Werkzeug. Und vor allem in der Teamentwicklung, so wie bei der RKU, wenn ich verstehen will, was die einzelnen Mitglieder im Innersten bewegt und wo es deshalb knirscht. Da entsteht aus Lebensmotiven eine echte Gebrauchsanleitung füreinander.
Ich wähle den LINC Personality Profiler, wenn …
… es um eine umfassende Standortbestimmung geht und um die längerfristige Begleitung einer Führungskraft, die wissen will, wie sie wirkt, was sie antreibt und wo ihre Kompetenzen liegen.
So wie aktuell bei LUNGE Der Laufladen, wo das Profil über die Zeit immer wieder zum Thema wird und sogar in eine personalisierte KI eingeflossen ist.
Kurz gesagt: Wenn Tiefe und kontinuierliche Begleitung gefragt sind.
Und manchmal nehme ich beide
Ja, das geht und das tue ich auch. Der ID37 liefert das Warum, der LPP das vollständige Bild.
In intensiven Entwicklungsprozessen ergänzen sich die beiden Perspektiven gut.
Das ist keine Spielerei, sondern schlicht der Tatsache geschuldet, dass Menschen und Teams unterschiedliche Anforderungen haben.
Fazit: Das Werkzeug folgt der Absicht
Beide Verfahren sind exzellent. Beide sind wissenschaftlich fundiert, beide sind heute digital und KI-gestützt, beide bringen Menschen ins Nachdenken über sich selbst. Es gibt kein besser oder schlechter, es gibt nur passend oder unpassend zu Ihrem Anliegen.
Der LINC Personality Profiler ist mein Verfahren für das große Bild und die begleitete Tiefe.
Der ID37 ist mein Verfahren für die Frage nach dem inneren Antrieb und für lebendige Teamentwicklung. Wenn Sie unsicher sind, welches zu Ihrer Situation passt, dann lassen Sie uns sprechen. Genau das ist meine Aufgabe als Sparringspartner: nicht das Werkzeug zu verkaufen, sondern mit Ihnen herauszufinden, welches Sie Ihrem Ziel näherbringt.
Denn am Ende gilt, was für jedes gute Instrument gilt: Es kommt nicht darauf an, wie scharf das Messer ist, sondern in wessen Hand es liegt und wofür es gebraucht wird.
Zum Autor
Sascha Brink ist Sparringspartner in Führung und Zusammenarbeit und Inhaber von brink btc in Hamburg. Er begleitet seit über zwanzig Jahren Führungskräfte, Teams und Personalverantwortliche branchenübergreifend. Als lizenzierter Anwender arbeitet er in der Praxis sowohl mit dem ID37 als auch mit dem LINC Personality Profiler. Die Einschätzungen in diesem Beitrag beruhen auf seiner eigenen Arbeit mit beiden Verfahren, unter anderem in einem Teamentwicklungsworkshop beim IT-Dienstleister RKU und in der laufenden Führungsbegleitung bei LUNGE Der Laufladen.
Quellen und weiterführende Informationen
ID37 Persönlichkeitsanalyse, offizielle Anbieterseite mit Informationen zu den sechzehn Lebensmotiven, zur Plattform und zum KI-Coach.
LINC Personality Profiler, offizielle Anbieterseite mit Informationen zum Big-Five-Modell, zu den Profilvarianten und zum LINC Companion.
LINC Coaching Board, digitale Coaching-Plattform von LINC mit Whiteboard, Methodenvorlagen und Coachee-Verwaltung.
Stand der Recherche: Juni 2026. Die genannten Funktionen und Produktbestandteile können sich seitens der Anbieter ändern.




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