top of page

Manchmal braucht es nur einen guten Spiegel.


Ich habe eine KI gebeten, mein Inneres Team zu beschreiben. Was sie sagte, war nicht neu.

Aber es war plötzlich laut.


Seit über zwei Jahren arbeite ich fast täglich mit ChatGPT. Nicht, weil ich Antworten suche. Sondern weil ich gerne denke. Strukturiere, hinterfrage, entwickle Konzepte, schreibe Texte. Oder denke einfach einmal laut nach.

Warum ausgerechnet ChatGPT? Weil es sich über eine Erinnerungsfunktion an frühere Gespräche erinnert. Die Erkenntnisse, von denen ich gleich erzähle, stammen also nicht aus einem einzelnen Chat. Sie sind über einen langen Zeitraum gewachsen, aus unzähligen Gesprächen. Über Führung, Coaching, Konflikte. Über mein Unternehmen, meine Kunden, meine Ideen. Und meine Zweifel.

Vor ein paar Tagen kam mir eine Frage in den Sinn: Wenn du alles berücksichtigst, was du in zwei Jahren über mich gelernt hast, wie würdest du mein Inneres Team nach Friedemann Schulz von Thun beschreiben? Ich war neugierig. Mehr nicht.

Die Antwort begann mit Stimmen, die ich gut kannte: der Entwicklungsbegleiter, der Strukturierer, der Brückenbauer, der Kreative, der Qualitätsanspruch, der Mentor. Vieles fühlte sich stimmig an. Dann kam ein Satz, der hängenblieb: Der Unternehmer bekommt in deinem Inneren Team zu wenig Raum. Und kurz darauf: Eigentlich fehlt noch eine Stimme. Der Botschafter. Der Teil in dir, der sagt: Zeig der Welt, was du kannst.

Ich musste schmunzeln. Nicht, weil ich überrascht war. Sondern weil ich wusste, dass diese Stimme längst in mir existiert. Ehrlicherweise: Sie ist leise. Nicht war. Ist. Es war keine neue Erkenntnis. Es war eher so, als hätte jemand dieser leisen Stimme plötzlich ein Mikrofon gegeben.

Und genau das hat mich nachdenklich gemacht.


Was die KI wirklich kann

Ich glaube nicht, dass ChatGPT mich kennt. Zumindest nicht so, wie Menschen einander kennen. Die KI weiß nicht, wie ich mich fühle. Sie kennt meine Biografie nicht wirklich. Sie hat keine Intuition.

Und trotzdem konnte sie etwas, das ich bemerkenswert finde. Sie hat Muster erkannt. Nicht aus einem Persönlichkeitstest, nicht aus einer Diagnose, sondern aus mehr als zwei Jahren gemeinsamer Gespräche. Sie hat wahrgenommen, welche Fragen ich immer wieder stelle, welche Werte sich durchziehen, welche Themen mich antreiben.

Daraus entstand keine Wahrheit. Sondern eine Hypothese. Eine, die ich ernst nehmen wollte.


Hier begegnen sich Coaching und KI

In meiner Arbeit als Coach erlebe ich häufig etwas Ähnliches. Menschen verlassen ein Coaching selten mit einer völlig neuen Erkenntnis. Viel häufiger sagen sie: Eigentlich wusste ich das schon. Aber ich habe es noch nie so klar gesehen.

Genau das ist hier passiert. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Für mich ist das die eigentliche Stärke von KI. Sie ersetzt keine Coaching-Ausbildung, keine Erfahrung, keine Beziehung. Und schon gar keinen Menschen. Aber sie kann helfen, Muster sichtbar zu machen. Sie kann Gedanken verdichten und Zusammenhänge spiegeln. Und manchmal formuliert sie etwas so klar, dass aus einer Ahnung eine Entscheidung wird.


Vielleicht brauchen Sie niemanden, der Ihnen etwas völlig Neues erzählt. Vielleicht brauchen Sie manchmal nur einen guten Spiegel. Sascha Brink | br!nk – fokusmensch

Das Innere Team bekommt einen neuen Gesprächspartner

Das Modell des Inneren Teams von Schulz von Thun begleitet mich seit vielen Jahren. Es beschreibt, dass wir nicht nur eine innere Stimme haben. Da gibt es den Perfektionisten und die Vorsicht, den Kritiker und die Mutige, den Antreiber. Oder eben den Botschafter. Je besser wir diese Stimmen kennen, desto bewusster treffen wir Entscheidungen.

Früher brauchte es dafür meist ein gutes Coaching oder viel Zeit zur Selbstreflexion. Heute gibt es zusätzlich einen neuen Gesprächspartner. Nicht als Richter. Nicht als Coach. Nicht als Wahrheit. Sondern als Spiegel.


Was ich mitnehme

Die spannendste Erkenntnis war für mich nicht, dass die KI meinen Botschafter vermisst. Die spannendste Erkenntnis war, dass ich diese Stimme selbst schon lange gehört hatte. Ich hatte ihr nur nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt.

Ehrlich ist aber auch: Das Spannungsfeld bleibt. Den Unternehmer nicht aus dem Blick zu verlieren und den Botschafter zu Wort kommen zu lassen, ist bei mir kein Problem, das ich einmal löse und abhake. Es ist eine Daueraufgabe. Eine, die mich in meiner Arbeit begleitet und vermutlich immer begleiten wird. Die KI hat sie sichtbarer gemacht. Weggenommen hat sie sie nicht.

Vielleicht geht es Ihnen beim Lesen ähnlich. Vielleicht kennen auch Sie eine leise Stimme, die immer wieder etwas sagt. Nach mehr Klarheit. Nach mehr Mut. Nach mehr Sichtbarkeit. Und vielleicht braucht es dafür keinen, der Ihnen etwas Neues erzählt. Sondern jemanden oder etwas, das genauer hinsehen lässt.

Für mich kann KI genau das sein. Nicht der Mensch im Mittelpunkt. Nicht die Technologie im Mittelpunkt. Sondern das, wofür ich seit vielen Jahren arbeite: fokusMensch.

Denn gute Führung beginnt dort, wo Menschen sich selbst besser verstehen. Und wenn eine KI dabei hilft, genauer hinzusehen, dann ist sie keine Konkurrenz zum Coaching. Sondern ein wertvoller Sparringspartner.


Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Kommentare


Sascha Brink

fokusMensch

+49 163 5911915

Erikastraße 103, 20251 Hamburg, Germany

Bildhalter mit Fragezeichen
  • googlePlaces
  • linkedin

Sascha Brink begleitet Führungskräfte, Teams und Organisationen als Sparringspartner für Führung und Zusammenarbeit. Standort Hamburg, tätig deutschlandweit.

br!nk btc steht für Beratung, Training und Coaching. Nicht für Bitcoin.

©2026 br!nk fokusMensch

bottom of page