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Führungskraft sein: Wie Sie Ihre besten Mitarbeiter stärken

Aktualisiert: vor 7 Tagen

Manche Führungskräfte halten ihre besten Leute klein. Selten aus Boshaftigkeit. Meistens aus einem Grund, über den niemand gern spricht.


Sie kennen die Geschichte vermutlich. Vielleicht aus einem Team, das Sie einmal geführt haben. Vielleicht aus einem, in dem Sie selbst saßen. Da ist jemand, der mitdenkt. Verantwortung übernimmt, ohne dass man ihn bitten muss. Ideen entwickelt, die sitzen. Fachlich überzeugt und nebenbei auch noch von den Kolleginnen und Kollegen geschätzt wird. Ein Glücksfall. Eigentlich.


Und trotzdem passiert manchmal etwas Merkwürdiges. Vorschläge werden plötzlich kritischer geprüft. Erfolge etwas kleiner geredet. Entscheidungen wieder an sich gezogen. Aus einem Fehler wird eine Grundsatzfrage. Und das Lob, das eben noch leicht über die Lippen ging, bleibt aus. Nicht, weil die Leistung schlechter geworden wäre. Sondern weil sie besser geworden ist.


Das ist kein Charakterfehler. Das ist Stress.


Bevor wir das vorschnell zu einer Frage von guten und schlechten Chefs machen: Das hat weniger mit Boshaftigkeit zu tun als mit Psychologie. Und es betrifft mehr Menschen, als zugeben würden. Viele von uns definieren ihren Wert über ihre Rolle. Leise, unausgesprochen, aber wirksam. „Ich bin die Führungskraft. Ich muss die Antworten kennen. Ich muss zumindest ein bisschen kompetenter sein als die, die ich führe.“


Solange das stimmt, ist alles ruhig. Aber dann taucht jemand auf, der fachlich brilliert, souverän argumentiert und im Team hohes Ansehen genießt. Und die Frage im Hintergrund verschiebt sich. Sie lautet nicht mehr: Wie werden wir gemeinsam erfolgreich? Sondern, sehr viel unbequemer und meistens unbewusst: Bin ich hier eigentlich noch wichtig? Die Organisationspsychologie nennt das Statusbedrohung. Und das Unangenehme daran ist: Unser Gehirn verarbeitet einen drohenden Statusverlust erstaunlich ähnlich wie eine körperliche Gefahr. Wer seinen Platz in Gefahr sieht, kooperiert nicht. Er verteidigt.


Das eigentliche Thema ist nicht Macht. Es ist Unsicherheit.


Hier liegt der Punkt, der mir in der Arbeit mit Führungskräften immer wieder begegnet. Wer kontrolliert, ist selten zu mächtig. Er ist meistens zu unsicher. Unsichere Führungskräfte kontrollieren. Sichere Führungskräfte entwickeln. Der Unterschied liegt nicht in der Position, nicht im Organigramm und nicht in der Anzahl der Jahre. Er liegt im inneren Selbstbild.


Wer seinen eigenen Wert kennt, kann sich über starke Mitarbeitende freuen. Wer ihn ständig beweisen muss, erlebt dieselben Mitarbeitenden als Bedrohung. Es sind exakt die gleichen Menschen. Was sich unterscheidet, ist der Blick auf sie.


Die Leistung Ihrer Leute schmälert Ihren Wert nicht. Sie beweist ihn.

Woran Sie es bei sich selbst merken


Das Tückische an dieser Dynamik ist, dass sie sich von innen vernünftig anfühlt. Niemand denkt: „Ich halte den jetzt mal klein.“ Man denkt: „Da muss ich nochmal drüberschauen.“ Oder: „So ganz ausgereift ist das noch nicht.“ Die Verteidigung kommt als Qualitätsanspruch verkleidet. Ein paar ehrliche Prüfsteine. Nicht als Checkliste, sondern als Spiegel:


  • Eine gute Idee überzeugt Sie erst dann, wenn Sie sie selbst noch einmal in eigene Worte gefasst haben.

  • Verantwortung, die Sie abgegeben hatten, holen Sie sich leise zurück.

  • Kleine Fehler bleiben länger im Raum stehen, als sie es verdient hätten.

  • Anerkennung sprechen Sie unter vier Augen aus, Kritik dagegen vor anderen.


Jedes einzelne dieser Muster ist harmlos. Jeder hat mal einen schlechten Tag. Aber wenn sich mehrere davon zu einem Bild fügen, lohnt das Hinschauen. Nicht um sich zu verurteilen. Sondern um zu verstehen, was da eigentlich gerade arbeitet.


Die einzige Frage, die hier wirklich hilft


Die Stoiker hatten für solche Momente eine unbequem schlichte Frage: Was davon liegt überhaupt in meiner Hand? Nicht in Ihrer Hand liegt, wie begabt der Mensch in Ihrem Team ist. Wie schnell er lernt. Wie gut er bei anderen ankommt. Das können Sie weder bremsen noch sollten Sie es wollen.


In Ihrer Hand liegt etwas anderes. Ob Sie diese Begabung als Konkurrenz lesen oder als Ressource. Ob Sie den inneren Stress bekämpfen oder ihn erst einmal nur wahrnehmen. Und ob Sie Ihren Wert weiter daran festmachen, der Klügste im Raum zu sein, oder daran, dass in Ihrem Raum kluge Menschen zusammen erfolgreich werden. Das ist kein Verzicht. Das ist eine Beförderung. Sie hören auf, der Klügste im Raum sein zu müssen, und werden der, der den Raum klüger macht.


Was bleibt


Ihre Aufgabe ist nicht, alles besser zu können als die Menschen, die Sie führen. Könnten Sie das, bräuchten Sie kein Team. Ihre Aufgabe ist es, einen Raum zu schaffen, in dem möglichst viele über sich hinauswachsen. Auch über Sie. Wer starke Leute klein hält, schützt kurzfristig sein Ego. Wer sie wachsen lässt, baut langfristig Vertrauen. Und Vertrauen ist am Ende das Einzige, woraus Führung wirklich entsteht.


Vielleicht zeigt sich die Reife einer Führungskraft also gar nicht daran, wie klug sie selbst ist. Sondern daran, wie gelassen sie mit der Klugheit anderer umgehen kann. Denn genau dort entscheidet sich, ob Führung Menschen größer macht. Oder kleiner.


Fazit: Vertrauen aufbauen und stärken


Vertrauen ist das Fundament jeder erfolgreichen Führung. Es ist wichtig, eine Umgebung zu schaffen, in der Mitarbeitende sich entfalten können. Wenn Sie als Führungskraft bereit sind, Ihre eigenen Unsicherheiten zu erkennen und zu überwinden, schaffen Sie Raum für Wachstum.


Stellen Sie sich vor, wie Ihr Team florieren könnte, wenn Sie die Stärken Ihrer Mitarbeitenden anerkennen und fördern. Wie viel kreativer und produktiver könnte Ihr Team sein, wenn Sie die Kontrolle loslassen und Vertrauen schenken?


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Sascha Brink

fokusMensch

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Sascha Brink begleitet Führungskräfte, Teams und Organisationen als Sparringspartner für Führung und Zusammenarbeit. Standort Hamburg, tätig deutschlandweit.

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