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Kennen Sie eigentlich Ihre eigene Gebrauchsanleitung?

Meine Gebrauchsanleitung
Meine Gebrauchsanleitung

Wenn mein Oldtimer nach einer langen Fahrt in der Garage steht und der Motor leise vor sich hin tickt, während er abkühlt, dann weiß ich ziemlich genau, was er jetzt braucht. Ich rieche das warme Öl, das Gummi der Räder, das alte Leder der Sitze. Ich weiß, wann der nächste Ölwechsel fällig ist, welches Geräusch normal ist und welches mir sagen will, dass etwas nicht stimmt.

Ich kenne die Bedienungsanleitung meiner Kamera fast auswendig. Ich weiß, bei welcher Temperatur mein Lieblingspullover seine Form behält und bei welcher er zum Kinderpulli einläuft. Für die Dinge, die mir wichtig sind, trage ich eine Gebrauchsanleitung im Kopf.

Fürsorglich und ganz selbstverständlich.

Und dann sitzt mir ein Mensch gegenüber, der seit Jahren ein Team führt, der schwierige Entscheidungen trifft und Verantwortung trägt.

Und ich stelle eine einzige Frage:

Kennen Sie eigentlich Ihre eigene Gebrauchsanleitung?


Der Moment, in dem es still wird


An dieser Stelle passiert fast immer dasselbe.

Der Kaffee dampft noch, draußen fährt jemand vorbei, und mein Gegenüber, eben noch souverän und wortgewandt, wird plötzlich langsamer. Der Blick geht kurz nach innen. Da ist ein Zögern, das ich inzwischen sehr gut kenne.

Die Frage ist nicht kompliziert. Sie trifft nur eine Stelle, über die wir kaum je nachdenken.

Wir verbringen unser ganzes Leben mit ein und demselben Menschen. Mit uns selbst.

Wir stehen morgens mit ihm auf, treffen mit ihm hunderte Entscheidungen am Tag, gehen abends mit ihm schlafen. Und trotzdem wissen viele von uns überraschend wenig darüber,

wie sie eigentlich funktionieren.

Was bringt Sie in Ihre Kraft? Was zieht Ihnen Energie ab, ohne dass Sie es gleich merken?

Wann fühlen Sie sich sicher genug, um mutig zu sein? Wann werden Sie kreativ, und wann ziehen Sie sich zurück? Was brauchen Sie wirklich, um gute Arbeit zu leisten? Und woran merken die Menschen um Sie herum eigentlich, dass es Ihnen gerade nicht gut geht?

Falls Ihnen darauf nicht sofort eine Antwort einfällt, sind Sie in bester Gesellschaft.

Den meisten geht es genauso. Wir kennen die Wartungsintervalle unseres Autos besser als unsere eigenen.


Konflikte beginnen früher, als wir denken


In der Arbeit mit Führungskräften und Teams begegnet mir immer wieder derselbe Moment.

Und es ist nicht der, den die meisten vermuten.

Es ist nicht der laute Streit. Nicht das schwierige Mitarbeitergespräch. Nicht die Eskalation,

bei der schon alle mit hochroten Köpfen im Raum sitzen. Der eigentliche Anfang liegt viel früher. Und er ist fast immer leise.

Stellen Sie sich Timo und Anja vor. Timo leitet einen Bereich, Anja ein Team, sie arbeiten eng zusammen. Neues Projekt, beide wollen, dass es gelingt. Timo ist impulsiv und handlungsorientiert. Bei ihm entstehen die Dinge im Reden. Er wirft Ideen in den Raum, verwirft sie, greift sie wieder auf, das Sprechen ist sein Weg zur Klarheit. Anja sitzt daneben und wird mit jeder Minute stiller. Sie ist die Planerin, die erst in Ruhe über eine Sache nachdenken muss,

bevor sie etwas sagt, das trägt. Etwas Halbfertiges in die Runde werfen, das ist nichts für sie.

Timo hält Anjas Schweigen für Zögern und fehlende Lust. Anja hält Timos Ideenflut für blinden Aktionismus. Keiner sagt ein böses Wort. Und trotzdem entsteht in diesem Meeting ein feiner Riss, aus dem Monate später ein echter Konflikt wird. Der, mit dem die beiden dann bei mir im Büro sitzen.

Dabei hat keiner von beiden etwas falsch gemacht. Beide folgen einfach ihrer eigenen inneren Gebrauchsanleitung. Nur kennt die niemand. Nicht der andere. Und oft nicht einmal der Besitzer selbst.

So geht es uns ständig. Wir erwarten Dinge voneinander, über die nie gesprochen wurde.

Der eine braucht Freiraum, die andere möchte früh eingebunden werden. Manche wünschen sich klares, direktes Feedback. Andere müssen erst spüren, dass man sie verstanden hat, bevor sie überhaupt zuhören können. Das ist kein Charakterfehler, das ist schlicht menschlich.

Wir sind nur selten darin geübt, es auszusprechen.


Warum ich mit Gebrauchsanleitung arbeite


Vor vielen Jahren wurde aus dieser Beobachtung eine Idee, die heute einen festen Platz in meiner Arbeit hat. Ich nenne sie die eigene Gebrauchsanleitung.

Kein Persönlichkeitstest. Kein Etikett, das man sich anheftet und das dann für immer klebt.

Eine Einladung, sich selbst zu klären. Ein Nachdenken über die Frage, die wir sonst überspringen:


Wie funktioniere ich, und was sollten andere darüber wissen?

In Workshops nutze ich dafür gern das Riemann-Thomann-Modell als Einstieg.

Nicht, um Menschen in Schubladen zu sortieren, sondern um sie ins Gespräch zu bringen.

Der eine merkt, wie sehr er Nähe und Verbindlichkeit braucht. Die andere versteht plötzlich, warum ihr Freiheit so wichtig ist, dass ihr bei zu enger Führung fast körperlich die Luft wegbleibt. Einer erkennt sein Bedürfnis nach Verlässlichkeit und festen Abläufen. Eine andere spürt, wie sehr sie Wechsel und Bewegung braucht, um nicht einzuschlafen.

Und dann passiert das, wofür ich diese Arbeit liebe.

Die Menschen reden nicht mehr übereinander, sondern miteinander. Nicht über Fehler,

sondern über Bedürfnisse. Nicht über Schuld, sondern über Verständnis. Timo sagt zum ersten Mal: Ich denke eben laut, das ist kein Aktionismus, das ist mein Weg zur Klarheit.

Und Anja sagt: Gib mir eine Nacht, dann bekommst du meine besten Gedanken.

In diesem einen Satz verändert sich Zusammenarbeit.


Die wichtigste Führungskraft in Ihrem Leben sind Sie selbst


Bevor wir andere führen, dürfen wir lernen, uns selbst zu führen. Das klingt nach einem Spruch fürs Poster. Ist aber bittere, alltägliche Wahrheit.

Viele Menschen versuchen jahrelang, bessere Kommunikationstechniken zu lernen.

Sie lesen Bücher über Motivation, besuchen Seminare, üben schwierige Gespräche.

Alles gut und richtig. Aber solange ich meine eigene Gebrauchsanleitung nicht kenne, arbeite ich immer wieder gegen mich selbst. Ich lege mir Termine in Zeitfenster, in denen ich längst leergelaufen bin. Ich zwinge mich zur Spontaneität, wo ich eigentlich Vorbereitung bräuchte.

Ich halte mein Bedürfnis nach Ruhe für eine Schwäche, statt es als Bedingung für gute Arbeit ernst zu nehmen.

Wer sich selbst nicht kennt, führt andere im Blindflug. Und wundert sich, warum alles so anstrengend ist.


Eine Gebrauchsanleitung ist nie fertig


Ihre Gebrauchsanleitung ist kein Dokument, das Sie einmal schreiben und dann abheften.

Sie ist lebendig. Sie verändert sich mit jeder Erfahrung, mit jeder Krise, mit jeder neuen Rolle,

mit jeder Begegnung, die Sie ein Stück verschiebt. Der Mensch, der Sie mit dreißig waren, brauchte etwas anderes als der, der Sie mit fünfzig sind.

Vielleicht besteht persönliche Entwicklung genau daraus. Immer besser zu verstehen,

wer Sie sind. Und immer mutiger auszusprechen, was Sie brauchen. Nicht als Forderung, die andere zu erfüllen hätten, sondern als Angebot für eine gute Beziehung.

Denn niemand kann Gedanken lesen. Auch die Menschen nicht, die Sie mögen und mit Ihnen arbeiten. Diese Menschen raten. Und sie raten oft daneben, nicht aus bösem Willen, sondern weil Sie ihnen nie gesagt haben, wie Sie gemeint sind.


Vielleicht ist das mein eigentliches Lebensthema


Je länger ich Menschen begleite, desto mehr dreht sich meine ganze Arbeit um diese eine Frage. Wie können Menschen sich selbst besser verstehen? Und wie entsteht daraus bessere Zusammenarbeit?

Aus dieser Idee wächst gerade etwas Größeres. Ein Buch. Der Titel steht noch nicht endgültig fest. Vielleicht wird es „Die eigene Gebrauchsanleitung“. Vielleicht „Artgerechte Menschenführung“. Wahrscheinlich steckt von beidem etwas darin.

Denn gute Führung beginnt für mich nicht bei Methoden oder Techniken.

Sie beginnt mit einer einfachen, manchmal unbequemen Frage an sich selbst.


Ein erster Schritt


Vielleicht sind Sie beim Lesen neugierig geworden, wo Sie selbst stehen. Für genau diesen Moment habe ich einen kleinen Selbstcheck gebaut, fokusMensch, auf Basis des

Riemann-Thomann-Modells. In 28 Aussagen bekommen Sie eine erste Orientierung über Ihre Grundstrebungen, über das, was Sie im Kern antreibt. Kein Test, der Sie in eine Schublade steckt,

sondern ein erster Schritt auf dem Weg zu Ihrer eigenen Gebrauchsanweisung.



Also, ganz ehrlich


Kennen Sie eigentlich Ihre eigene Gebrauchsanleitung?

Falls Ihnen spontan keine Antwort einfällt, ist das kein Grund zur Sorge. Genau dort beginnt oft die spannendste Reise überhaupt. Die zu Ihnen selbst.

Und weil das gemeinsam am besten gelingt, bin ich ehrlich neugierig auf Sie:

Was wäre der eine Satz, der in Ihrer Gebrauchsanleitung ganz oben stehen müsste?

Der eine Hinweis, den die Menschen um Sie herum kennen sollten, damit die Zusammenarbeit mit Ihnen gelingt?


Schreiben Sie ihn mir. In einem Kommentar oder einer Nachricht, ganz wie Sie mögen.

Ich lese jede einzelne. Und ich bin mir ziemlich sicher: Der Satz, den Sie gerade suchen, ist oft genau der, der den Unterschied macht.

 
 
 

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Sascha Brink

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Sascha Brink begleitet Führungskräfte, Teams und Organisationen als Sparringspartner für Führung und Zusammenarbeit. Standort Hamburg, tätig deutschlandweit.

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